Early Sitcoms: Max Linder

Max reprend sa liberté.
R: Max Linder. D: Max Linder. P: Pathé. Fr 1912

Max prend un bain
R: Lucien Nonguet.  D: Max Linder. P: Pathé. Fr 1910

Idylle a la ferme
R: Max Linder. D: Max Linder. P: Pathé. Fr 1912

Une nuit agitée
R: Max Linder. D: Max Linder. P: Pathé. Fr 1912

“Der künstlerische Wert und Sinn dieser Szenen wäre auch gleich null und noch weniger, wenn sie nicht von Max Linder gespielt würden. So ist er ein markanter Typus des Kinoschauspielers, einer, der nicht nur aus dem Sprechunvermögen heraus Großes leistet, sondern der bei diesem Bemühen so weit gelangt ist, daß hinter der Bedeutung seines Spiels die Bedeutung der dargestellten Szene vollkommen zurücktritt, weil sie eben nur die eine Bedeutung haben darf, die, daß Max Linder sie spielt. Ein jedes Mehr wäre hier ein Weniger. Auch die Gleichartigkeit und Aehnlichkeit der dargestellten Szenen ist kein Mangel und langweilt auch nie, weil in ihnen das Leben einer seltenen schauspielerischen Individualität pulsiert. Die schauspielerische Elastizität Max Linders ist ganz besonders erstaunlich. Aus einer Handbewegung, aus einer gewollten und stets unnachahmlich gelungenen Ungeschicklichkeit geht oft mehr hervor als aus raffinierten und tiefen gedanklichen Erwägungen. In der Art, wie er sich eine Zigarre anzündet, liegt oft mehr Geist als man unserer ideenarmen Zeit zutrauen dürfte und die Verwirrung, die die Tatsache, daß er raucht – er stößt vielleicht mit der Zigarre an einen Neubau an, der dann natürlich zusammenstürzt, man wundert sich, daß die Trümmer noch existieren – anzurichten imstande ist, scheint mir nicht nur auf die Wertlosigkeit der Kinowelt einem solchen Vorgang gegenüber hinzudeuten, sondern vielmehr die falsche, geschäftliche Wertschätzung zu verulken, die so oft in der wirklichen Welt herrscht, die es gar nicht auf der Leinwand gibt. Darum ist es zu bedauern, daß wir uns am Abend vor die Leinwand drängen müssen, um uns über die mißlungenen Versuche eines falschen Ehrgeizes von ihm trösten zu lassen, auf daß er uns erklärt, wie nebensächlich, wie bedeutungslos das ist, daß das Leben höchstens ein Kinoschauspiel wert ist, ein Kinoschauspiel, wie Max Linder es spielt. O daß wir doch alle so frei, so leicht und ungehemmt wie er sein könnten!”
Erste Internationale Film-Zeitung, 9.11.1912

TRAUM UND EXZESS, S. 240