Detektiv- und Sensationsfilm

Der geheimnisvolle Klub
R: Joseph Delmont. D: Fred Sauer, Ilse Bois, Joseph Delmont. P: Eiko-Film GmbH. D 1913
Nach Motiven von Robert Louis Stevensons “Der Selbstmöderklub”
Print: EYE Collection, Niederlande

Der geheimhsvolle Klub verlegt Stevensons unheimliche Geschichte vom neblig trüben London in das klare Licht holländischer Originalschauplätze. Er enthält technisch brillante Aufnahmen vom Rotterdamer Hauptbahnhof, einer Stahlkonstruktion, den städtischen Promenaden, Banken und Geschäften, den Grachten, dem Strand von Scheveningen, den Badeanlagen, Jahrhundertwende-Hotels und dem damals noch jungen Radfahrsport. (…)
Die Protagonistin (…) gibt schon in der ersten Einstellung den Eindruck einer modernen jungen Frau, sportlich gekleidet, die sich ungezwungen in dem großzügigen Park, der das Haus ihres Vaters umgibt, bewegt. Bizarr in diesem gepflegten mitteleuropäischen Milieu wirkt ein ständiger Begleiter und Spielgefährte der Konsulstochter, ein ausgewachsener Affe (…), gebändigte Gestalt ihrer Faszination durch das Andere, das Nicht-Rationale, das Un-Zivilisierte, nach kurrenter Darwinscher Theorie die vorgeschichtliche Vergangenheit des Menschen selber.”
Heide Schlüpmann: Unheimlichkeit des Blicks. Basel/Frankfurt am Main 1990, S. 130, 132

Zur Technik der Virage
“Bereits vor der Erfindung des Mehrschichtenfarbfilms gab es farbige Kopien, die mit mehreren Verfahren produziert wurden: (1) Beim der Virage (engl. tinting, frz.: tintage) werden Teile einer Schwarzweißkopie in Bäder mit organischen Farbstoffen gelegt. Die Farbstoffe lagern sich in der Gelatine des gesamten Filmbands an und färben dieses in der gewünschten Farbe ein. Die Virage erkennt man daran, dass bei der Vorführung die transparenten Bereiche des Bildes (Himmel mit Wölkchen, helle Kleidung, Schaumkronen auf dem Meer etc.) die Farbe tragen, während sie auf den dunklen Stellen nicht zu sehen ist. (2) Bei der Färbung (engl. toning, frz. virage) werden schwarzweiße Filmteile ebenfalls in Bäder gelegt. Ein chemischer Prozess tauscht das im Bild enthaltene Silbersalz gegen Farbsalze aus, die u.a. auf der Basis von Schwefel (gelb), Kupfer (rot) oder Eisen (blau) hergestellt wurden. Bei diesem Verfahren sind die vorher dunklen, d.h. silberhaltigen Teile des Bildes nun farbig, während die hellen Stellen (die wenig Silbersalz enthielten) die Farbe kaum angenommen haben. Tinting und toning lassen sich gemeinsam anwenden, wodurch Farbkombinationen entstehen. Bei beiden Prozessen müssen nach dem Trocknen die eingefärbten Teile in der richtigen Reihenfolge aneinander montiert werden, so dass das Endresultat viele Klebestellen aufweist.
In Deutschland wurden Stummfilme bis Mitte der 1920er Jahre auf diese Weise farbig gemacht; danach erhielten fast ausschließlich nur noch Nachtszenen eine blaue Einfärbung (tinting-Methode), damit diese als solche eindeutig zu erkennen waren.”
Lexikon der Filmbegriffe

TRAUM UND EXZESS, S. 333 f.